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Seres Winterlinde Stadtbaum (DE)

Оригинальное название: Die Winterlinde und ihre Sorten als Stadtbaum - Bayern

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Die Winterlinde und ihre Sorten als Stadtbaum Philipp Schцnfeld Schlьsselwцrter: StraЯenbaum, Substrat, Standort, Sorte, Kronenform, Hecke, Schnittformen, historischer Garten. Zusammenfassung: Die Winterlinde ist ein sehr vielseitig einsetzbarer Baum in der Stadt. Ungefдhr 30 % aller Stra- Яenbдume sind Linden. Dabei handelt es sich aus Grьn- den der Verkehrssicherheit um Sorten mit geschlossener Kronenform. Darьber hinaus ist sie ein bewдhrter Baum fьr Gдrten und Parks. Die hohe Schnittvertrдglichkeit er- mцglicht die Erziehung von Hecken, Spalieren, Bцgen, Kastenformen, Kopflinden bis hin zu den bekannten Tanzlinden und bietet damit vielseitige Verwendungs- mцglichkeiten.

Linden in der Stadt Linden sind nicht nur wichtige Waldbдume, sondern werden auch seit Jahrhunderten in Stдdten und Dцr- fern als Park-, Allee- und StraЯenbдume gepflanzt. Oft stehen sie im Zentrum der Siedlung oder am Dorfbrun- nen. So ist es nicht verwunderlich, dass unendlich vie- le Flurbezeichnungen, Orts- und StraЯennamen den Begriff »Linde« enthalten und zeigen, wie stark die Lin- den mit den Stдdten, Dцrfern und Siedlungen verbun- den waren und sind. Sogar eine Fernsehserie ist nach ihnen benannt … Abbildung 2: »Rancho« ist die kleinste der gдngigen Winterlinden Sorten, geeignet fьr schmale StraЯen oder auch Hausgдrten. Foto: P. Schцnfeld gepflanzten StraЯenbaumarten.

In der Regel handelt es sich dabei um Tilia cordata mit ihren zahlreichen Sorten, T. x euchlora und T. x vulgaris (= T. europaea ). Seltener sind T. americana und T. platyhyllos vertre- ten, die hцhere Ansprьche an die Bodenfeuchtigkeit stellen. Noch seltener sieht man T. mongolica mit ih- ren ganz ungewцhnlich geformten Blдttern oder die spдt blьhende T. henryana . Am passenden Standort werden Linden viele hundert Jahre alt und entwickeln sich zu sehr eindrucksvollen und gestalterisch prдgen- den Bдumen. Das macht ihren besonderen Reiz als Stadtbaum aus. In unseren Stдdten sind Linden mit einem Anteil von ca.

30 %, дhnlich wie Ahornarten, die am hдufigsten Die zunehmend hцheren Lufttemperaturen sowie lдnger andauernden Trockenperioden setzen auch den Linden zu. Sie verlieren vorzeitig einen Teil ihres Laubes und werden anfдlliger fьr Krankheiten und Abbildung 1: Die Gerichtslinde von Castell Foto: S. Bцll 45 LWF Wissen 78

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Die Winterlinde und ihre Sorten als Stadtbaum Schдdlinge. Fast schon sprichwцrtlich ist der Befall der Linden mit Blattlдusen, der in der Folge zu den oft als lдstig empfundenen Honigtauabsonderungen fьhrt. Allerdings gibt es einige Sorten der Winterlinde, die kaum oder gar nicht von Lдusen befallen werden (siehe Tabelle 1). In Bezug auf die Lichtansprьche ist die Winterlinde ebenfalls anpassungsfдhig. Zwar bevorzugt sie sonni- ge Standorte, entwickelt sich aber – zumindest in der Jugend – auch in halbschattigen und sogar schattigen Lagen noch zufriedenstellend. Die Winterlinde ist eine anpassungsfдhige Baumart, die vielseitig einsetzbar ist.

Das spiegelt sich in den »Lebensbereichen der Gehцlze« von Kiermeier (Kier- meier 1995) in der Kennziffer 3.1.3.1. wieder. Linden bilden bei ordnungsgemдЯer Kultur in der Baumschule ein dichtes Faserwurzelwerk aus. Anders als die derzeit ьbliche Pflanzung mit Ballen, lassen sie sich deshalb bis zu einem Stammumfang von 20 – 25 cm auch problemlos ohne Ballen pflanzen. Voraus- setzung dafьr ist allerdings, dass die Wurzeln von der Rodung in der Baumschule ьber den Transport bis hin zur Pflanzung sorgfдltig vor Austrocknung geschьtzt werden. Das erfordert ein Umdenken bei den ausfьh- renden Betrieben.

Es muss eine Abkehr von dem oft nachlдssigen Umgang nicht nur mit Linden sondern mit Pflanzen generell auf der Baustelle erfolgen. Wuchsgruppe Klimafaktoren Bodenfaktoren Lebensbereich Ziffer Lebensbereich: 3 Artenreiche Wдlder und Ge- hцlzgruppen Ziffer Bodenfaktoren: 1 Gehцlzgruppen mit robus- ten, stadtklimavertrдglichen Arten mit weiter Stand- ortamplitude, auch fьr schwierigere Situationen geeignet, auf allen mдЯig trockenen bis frischen Вц- den, schwach sauer bis alkalisch; alle ± nдhrstoffrei- chen Bцden, auЯer leichten Sand- oder schweren Tonbцden Ziffer Klimafaktoren: 3 sonnig bis lichtschattig, kьhl ausgeglichen, zum Teil wдrmevertrдglich; frosthart Ziffer Wuchsgruppe:

1 GroЯbaum > 20 m Linden-, genauso wie Ahorn- und Kastanienarten, sind in den ersten zehn Jahren nach der Pflanzung durch die Entstehung von Stammrissen gefдhrdet. Der wesent­ liche Grund dafьr sind die zum Teil hohen Temperatur­ unterschiede zwischen der Sonnen- und Schattenseite des Stammes, insbesondere im Winter. Stammschutz- matten aus Schilfrohr oder Tonkingstдben oder weiЯe Anstriche mit Stammschutzfarbe haben sich als wirk- same SchutzmaЯnahmen erwiesen. Die Matten sollten vom Stammfuss bis zum Kronenansatz reichen. Schutz­ anstriche sind ьber den Stamm hinaus bis in den Be- reich der unteren Kronenдste am wirkungsvollsten.

Die Winterlinde wдchst auf schwach sauren und auf kalkhaltigen Bцden gleichermaЯen gut. Deshalb kommt sie mit den meist alkalischen Baumsubstraten nach den »Empfehlungen fьr Baumpflanzungen, Teil 2: Standortvorbereitungen fьr Neupflanzungen; Pflanz- gruben und Wurzelraumerweiterung, Bauweisen und Substrate« herausgegeben von der Forschungsgesell- schaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau e.V. (FLL) gut zurecht. Die Substrate, hergestellt nach:

»Zusдtzliche Technische Vorschriften fьr die Herstel- lung und Anwendung Verbesserter Vegetationstrag- schichten« (ZTV-Vegtra-Мь, 2008, herausgegeben von der Stadt Mьnchen, Baureferat, Gartenbau ) sind дhn- lich aufgebaut wie die Substrate der FLL und bewдh- ren sich in gleicher Weise. Auch wenn die Winterlinde eine robuste Baumart ist, so reagiert sie doch empfind- lich auf Streusalz. Die Schдdigung zeigt sich im Som- mer in Form von Blattrandnekrosen. Fьr entsprechend belastete Standorte ist sie nur eingeschrдnkt zu emp- fehlen.

Wichtige Sorten Die von Hause aus individuelle und nur schwer vor- hersehbare Kronenform bei Tilia cordata stцrt bei der Verwendung in groЯen Gдrten und Parks in der Regel wenig. Anders verhдlt es sich dagegen bei der Verwen- dung an StraЯen, auf Plдtzen und in Verbindung mit Gebдuden. Im Hinblick auf die Verkehrssicherheit, den Abstдnden zu Gebдuden sowie die Gestaltungsidee ist es hierbei wichtig zu wissen, welche Breite, Hцhe und Kronenform der Baum nicht nur in der Jugend, sondern auch im Alter besitzen wird. So ist es nicht verwunderlich, dass im Siedlungsbereich fast aus- schlieЯlich Sorten mit besonderen Wuchseigenschaf- ten verwendet werden.

Die Zahl der Winterlinden-Sor- ten ist sehr hoch. Jablonski und Plietzsch (2013) fьhren in ihrer Verцffentlichung 80 gьltige Sortennamen und 26 Synonyme, ungьltige Namen bzw. Handelsmarken fьr T. cordata auf. Der grцЯte Teil dieser Sorten ist 46 LWF Wissen 78 3 1 3 1

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Die Winterlinde und ihre Sorten als Stadtbaum Tabelle 1: Sorten der Winterlinde nur Spezialisten bekannt und spielt im Sortiment der Baumschulen kaum eine Rolle. Die in Tabelle 1 auf- gefьhrten Sorten der Winterlinde sind eine (subjekti- ve) Auswahl der wichtigsten. Sie zeichnen sich in der Regel durch eine geschlossene aufrechte Kronenform sowie einen durchgehenden Leittrieb aus. »Greenspi- re« hat sich seit ihrer Einfьhrung als DIE Stadtlinde etabliert und ist derzeit sicher die bekannteste und am hдufigsten verwendete Sorte. Sie wдchst schnell und ist hitze- und trockenheitstoleranter als die Art.

Es zeigt sich allerdings, dass die Silberlinde (Tilia tomentosa) und ihre Sorten an sehr trockenen und heiЯen Stand- orten der Winterlinde ьberlegen ist. »Rancho«, eben- falls seit 1961 im Sortiment, ist eine eher kleine Sorte, die sich nicht nur als StraЯenbaum sondern auch als Hausbaum gut einsetzen lдsst. Die Sorten »Lico« und »Monto« stellen mit ihrer kugeligen Kronenform eine Besonderheit dar. Im Vergleich mit den kugelig wach- senden Sorten von z. B.

Spitzahorn ( Acer platanoides »Globosum«), Feldahorn ( Acer campestre »Nanum«), Robinie ( Robinia pseudoacacia »Umbraculifera«) oder Steppenkirsche ( Prununs x eminens »Umbraculifera«) haben sie sich allerdings bisher nicht wirklich durch- setzen kцnnen. 47 LWF Wissen 78 Sorte Höhe/Breite [m] Kronenform Bemerkungen Böhlje (Erecta) 15 – 20 /10 – 14 Anfangs schmal, im Alter breit pyramidal sehr windfest; frei von Läusen und Honigtau; trockenheitsverträglicher als die Art; »geeignet« lt.

GALK-Liste; vor 1961 von Böhlje ausgelesen Cordaley 18 – 20 Breit kegelförmig später hoch gewölbt, durch­ gehender Leittrieb blüht und fruchtet nicht; Zufallsfund der Baumschule Ley innerhalb einer Lieferung von »Greenspire«, 1977 Greenspire 13 – 20 /10 – 13 Regelmäßig geschlossen, eiförmig schnellwüchsig, Laub ledrig, trockenheitsverträglicher und hitzeverträglicher als die Art; »gut geeignet« lt.

GALK-Liste; vor 1961 in den USA in den Handel gebracht Lico 4 – 5 Kugelkrone kleines Laub, blüht und fruchtet nur selten; langsam wüchsig, sehr dicht verzweigt; Trieb grüngelb; eine der kleinsten Sorten im Sortiment; nieder­ ländische Selektion; 1977 in den Handel gebracht Lorberg (= Typ Lorberg) 12 – 16 /10 – 13 Pyramidal, gleichmäßig, kompakt Wuchs stark, gerade durchgehender Stamm, sehr dicht und gleichmäßig verzweigt; trockenheits- und hitzeverträglicher als die Art; vor 2005 von der Baumschule Lorberg in den Handel gebracht Monto 4 – 5 Kugelkrone kleineres Laub als »Lico«, Triebe braun; blüht und fruchtet nur selten; langsam wüchsig; sehr dicht verzweigt; anfällig für Blattfelckenkrankheit; eine der kleinsten Sorten im Sortiment; nieder­ ländische Selektion, 1977 in den Handel gebracht Rancho 8 – 12 (15) /4 – 6 (8) Schmal eiförmig, später breit rundlich ähnlich wie »Böhlje« jedoch kleiner bleibend und langsamerer Wuchs; meist frei von Läusen und Honigtau; »geeignet« lt.

GALK-Liste; 1961 in den USA in den Handel gebracht Roelvo 10 – 15 /5 – 10 Breit kegelförmig, dicht geschlossen, durchgehender Leittrieb schnellwüchsig; Laub hellgrün, ein Drittel kleiner als bei der Art; meist frei von Läusen und Honigtau; »geeignet« lt. GALK-Liste; 1979 in Opheusden (Niederlande) gefunden Sheridan 10 – 12 /6 – 8 eiförmig bis breit kegelförmig, dicht, sehr große Anzahl Gerüstäste mittelstark wachsend; Triebe im Winter rötlichbraun; Selektion der Sheridan Nurseries (USA), 1966 in den Handel gebracht Wega 15 – 20 Kompakt, breit kegelförmig gerader Stamm, über Stecklinge vermehrbar; treibt früher aus als die Art; 1989 in der DDR von Albrecht ausgelesen

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Die Winterlinde und ihre Sorten als Stadtbaum dialen Wachstums (terminale Knospen sterben ab), wachsen vor allem generativ vermehrte Linden sehr unregelmдЯig in die Hцhe. Unabhдngig von der Ver- mehrungsmethode mьssen wдhrend der Anzucht alle »gestдbt« und gebunden werden, um einen geraden Stamm und Stammverlдngerung mit dem gewьnschten und geforderten durchgehenden Leittrieb zu erzielen. Von den Baumschulen werden deshalb gelegentlich veredelte Sorten wie T. cordata »Greenspire« angebo- ten, wenn die reine Art der Winterlinde angefragt war. Wie zahlreiche weitere Winterlinden-Sorten bildet die- se leichter einen geraden Stamm mit einem aufrecht wachsenden Leittrieb aus.

Solche ungenehmigten Er- satzlieferungen fьhren hдufig zu Дrger und Konflikten. Ein aktuelles Beispiel dafьr liefern die Pflanzungen am Neubau des Berliner Flughafens, wo 2010 statt der ausgeschriebenen 1000 Stьck T. cordata als reine Art, die Sorte »Greenspire« geliefert und gepflanzt wurde. Nach der Entdeckung der Falschlieferung mussten schlussendlich im Januar 2013 von diesen 1000 Linden 460 gegen die seinerzeit ausgeschriebenen gebietshei- mischen Tilia cordata ausgetauscht werden (Bischoff, 2013) . Der Landschaftsbaufirma entstand dadurch ein Schaden von circa 250.000 Euro. Abbildung 3:

Das Winterbild der Sorte »Greenspire« zeigt deutlich den gleichmдЯigen Kronenaufbau und die steilere Aststellung im Vergleich zur reinen Art. Foto: Baumschule Lorberg Winterlinden in der Garten- und Landschafts- gestaltung Vermehrung von Lindensorten Seit Jahrhunderten sind Winterlinden wichtige Park- und Gartenbдume. Die Grьnde dafьr sind nicht nur ihre (relative) Anspruchslosigkeit in Bezug auf den Stand- ort, sondern auch ihre gute Schnittvertrдglichkeit. Ob- wohl sie weiches Holz besitzen, schotten sie Wunden von Astbrьchen oder SchnittmaЯnahmen erstaunlich gut gegen eindringende Pilzsporen ab.

Winterlinden sind deshalb in der Garten- und Landschaftsgestaltung дhnlich vielseitig einsetzbar wie Feldahorn (Acer cam- pestre) und Hainbuche (Carpinus betulus) . Alle diese »Kunstformen« verlangen natьrlich stдndige Pflege, insbesondere mьssen sie regelmдЯig geschnitten, ge- gebenenfalls auch gebunden und formiert werden. Die Vermehrung der reinen Art in den Baumschulen erfolgt ьber Samen. Die Aussaat ist preiswert und bietet die Mцglichkeit zur Erhaltung der genetischen Vielfalt innerhalb der Art. Um die bestimmten Eigen- schaften der ausgelesenen Sorten zu erhalten, mьssen sie vegetativ vermehrt werden. Das geschieht in den Baumschulen normalerweise durch Veredlung und Absenker.

Als ьbliche Veredlungsmethode gilt fьr Linden die Okulation im Juli bis August. Fьr Tilia cor- data -Sorten eignen sich als Unterlage am besten Sдm- linge der reinen Art. Nachteilig ist bei der Veredlung die Wildtriebbildung, die man immer wieder beobach- ten kann und deren Entfernung arbeitsaufwendig ist. Es sind deshalb auch erfolgreich Versuche unternom- men worden, Sorten der Winterlinde ьber Stecklinge, Steckhцlzer und in vitro (»im Glas«, Kultivierung im Reagenzglas; Anmerkung der Redaktion) zu vermeh- ren. Als besonders schwierig in der Anzucht gelten ge- nerativ vermehrte Winterlinden.

Die Weiterkultur der Linden in der Baumschule ist im Vergleich zu anderen Baumarten oft problematisch. Aufgrund ihres sympo- Hecken Im Zeitalter des Barocks nutzten die Gartenkьnstler diese Eigenschaft, um aus Winterlinden vor allem He- cken, Baumwдnde oder auch Kastenlinden zu formen. In den historischen Parks von z. B. Hannover-Herren- hausen oder Wien-Schцnbrunn lдsst sich das noch heute eindrucksvoll erleben. In der modernen Gartengestaltung wird die Win- terlinde in dieser Form nur wenig verwendet. Bei den 48 LWF Wissen 78

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